monkey wrench

In der Klammer des Affen. Draußen schneits schon wieder und Krankengymnastik fällt wegen Arbeit aus. Möp. 58 Spamkommentare in 17 Stunden, wie konnte das passieren? Angeblich ist diese Seite nicht für Menschen zu finden, die nicht den Links folgen, die ich nur einem ausgewählten Kreis zur Verfügung stelle. Was ich am Internet wirklich nicht mag, ist, dass wahre Anonymität und Abgetrenntheit von der Außenwelt nicht möglich ist. Klar, ist es auch im normalen Leben nicht, aber da kann ich mich wenigstens so abartig verhalten, dass das Gelaber links neben mir an der Theke versiegt.

Ich weiß doch auch, dass ich keinerlei Versuch unternehme, mich wirklich anonym im Netz zu bewegen. Ich weiß um die Möglichkeiten, die ich hätte, ich könnte mir ein Programm auf einen USB-Stick ziehen, das meine IP-Adresse zerhackt und unleserlich macht. Aber dazu müsste ich mich ein wenig mit der Materie auseinandersetzen. Und ich setze mich doch auch schon so so viel mit Materie auseinander. Den ganzen Tag über mache ich nichts anderes. Da will ich spätabends und am Wochenende auch einfach mal meine Ruhe. Dennoch: Ein wenig nachdenklich wurde ich durch diese Möglichkeit hier: Panopticklick analysiert den Computer auf seine Eigenschaften, die auch im Netz lesbar sind. Mein Ergebnis? Your browser fingerprint appears to be unique among the 140,297 tested so far. Currently, we estimate that your browser has a fingerprint that conveys at least 17.1 bits of identifying information.

Dann doch lieber das Thekengespräch. Wo manchmal auch einfach ein nettes Nein genügt. Wenn man Glück hat. Ich bin (gottseidank??) nicht der Typ Mensch, der oft in Clubs oder Bars angelabert wird. Mir wurde ja schon ratschlagend gesagt, dass ich ruhig auch mal ein wenig nett sein solle, aber nö, warum? Wer nett ist, anpassbar und flexibel, der erhält Spam. Kann man ruhig auf die Thekensituation übertragen. Um interessante Menschen kennenzulernen, kann man wahrlich keine bewussten Aktionen unternehmen. Aber man kann sich sicher sein, dass man sich in einem Raum, in dem sich mehr als 300 Leute befinden, oftmals einfach gemütlich zurücklehnen kann ob der Gewissheit, lieber mit den Menschen bleiben zu wollen, mit denen man sich traf oder kam. Nur wenigste der Begegnungen in solcherlei Räumen waren bisher anregend und unterhaltsam. Letzteres dann eher auf eine bizarre Art. Wie jene schon viel erwähnten Autounfälle, von denen man den Blick nicht wenden kann, auch wenn man sich schlecht dabei fühlt.

Mein Tanzbereich, dein Tanzbereich. Eine zu oft missachtete Regel. Ohne dass wir es in Worte fassen können, gibt es vielerlei Grenzen in unserem Leben. So auch die notwendige Distanz zu unbekannten Menschen. Diese ist in einem Bus, der auch viele Schüler in das Zentrum der Stadt ohne Eigenschaften befördert, schwerlich einzuhalten. Aber in einem Bus, der 20 Menschen befördert, muss man sich mit seinem schwarzen Plastiklackmantel nicht so nah zu mir an die Stehplätze an der zweiten Tür stehen, dass meine Jacke am Lack leise quietscht. Oder bin ich spießig? Mich hat es gestört, zumal ich nicht ausweichen konnte, da mein Tanzbereich rechts von einer Sitzreihe und dann schon links vom Lackmantel begrenzt wurde. Lackmantel hatte seltsame Fellboots mit Troddeln an den Seiten und eine Aschenbecherbodenbrille. Lackmantel guckte grenzdebil und redete mit sich selbst. Im Glitsch des Tauwetters, für das ich nachts fast auf die Knie gefallen wäre, traute ich mich nicht, den Aufwand eines Stellungswechsels zu wagen. Denn so sicher auf den Beinen ist man in solchen Momenten nicht, dass man ein Ausgleiten riskiert.

J. D. Salinger ist tot – ich wusste nicht, dass er tatsächlich nur “The catcher in the rhye” geschrieben hat. Unglaublich, mit nur einem Buch so viele Menschen beeindruckt und geprägt zu haben. Inklsusive des Lennon-Attentäters, was dann vielleicht nicht so rühmlich wäre. Schönes Lebensfazit, auf dass ich ab heute zusteuern werde: Er lebte seit Jahrzehnten zurückgezogen in einem kleinen Haus und lehnte jeden Starruhm sowie jedes Interview hartnäckig ab. Ich übergebe.

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2 Antworten auf monkey wrench

  1. max lupin sagt:

    “I’m just sick of ego, ego, ego. My own and everybody else’s. I’m sick of everybody that wants to get somewhere, do something distinguished and all, be somebody interesting. It’s disgusting.” J.D.Salinger, der mehr als ein Buch geschrieben hat.

  2. kk sagt:

    wow! tief in der Kiste gewühlt – Herr Lupin ;)
    wie kam es, dass ausgerechnet dieser Artikel aus 2010 Beachtung fand!?

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